Klimaverkühlung?

Market Views, 18 Nov 2022

Das Klima kühlt ab

In den USA können die Demokraten den Senat halten, verlieren aber – wenn auch nur knapp – den Kongress. Damit können die Republikaner nun Biden das Regieren deutlich erschweren, indem sie für ihre Unterstützung wichtiger Beschlüsse der Demokraten im Gegenzug bedeutende Zugeständnisse für ihre Partei einfordern. Fast zeitgleich positioniert sich Trump als Präsidentschaftskandidat für 2024. Doch er hat viele Unterstützer – Medien wie auch Sponsoren – verloren. Der Vorwahlkampf hat begonnen. Das politische Klima in den USA wird rauer.

Weltweit kühlen die volkswirtschaftlichen Daten ab und mit ihnen auch die Inflation. Die US-Notenbank Fed hat jüngst laut überlegt, die Zinsen im Dezember um nur 50 bp zu erhöhen. Denn mit der Inflation sei man zwar vorläufig auf dem richtigen Kurs (sie sinkt), aber bei Weitem noch nicht dort, wo man hinwill. Nicht gut aufgenommen hat man diese Botschaft an der NASDAQ, die auf eine Pause gehofft hatte. Sauer aufgestoßen ist dort auch die Forderung Yellens (Anm.: ehemalige US-Notenbankchefin, seit 2021 US-Finanzministerin), den Kryptomarkt international zu regulieren. Den Ausschlag für diese Forderung hat die jüngste Schieflage einer Handelsplattform für Krypto-Tokens gegeben.

Es geschieht nun also, was die Notenbanken brauchen, um die Inflation in den Griff zu bekommen: Das wirtschaftliche Klima kühlt spürbar und nun auch klar sichtbar ab. Noch ist der Arbeitsmarkt extrem stabil und daher das Verbrauchervertrauen – zumindest in den USA – ungebrochen. Doch die Einkaufsmanager bleiben vorsichtig und ziehen sich etwas wärmer an, denn viele Auswirkungen der aktuellen Abkühlung werden erst 2023 spürbar. Abhängig ist das vom weiteren Verlauf der Inflation.

Konjunktur-Uhr für die EU
Legende der Konjunktur-Uhr

USA

Die aktuellen Daten und die Kommentare der Fed zeigen zwar in die richtige Richtung – ob aber tatsächlich der Höhepunkt der Inflation hinter uns liegt, bleibt abzuwarten. Einmal mehr bekräftigte die Notenbank, auch im Dezember die Leitzinsen erneut anzuheben – zumindest um 50 bp. Wie sich die Erzeugerpreise sowie die Import- und Exportpreise entwickelt haben, wird Anfang kommender Woche veröffentlicht, ebenso der Empire State Index – dieser ist eine Zusammenfassung wichtiger Frühindikatoren und wird zeigen, was wir von der Konjunktur und dem Wirtschaftswachstum der USA erwarten dürfen.

Asien

Japans Wirtschaft bereitet den Anlegern Sorgen. Mit der weiterhin steigenden Kerninflation werden die Rufe nach der BoJ (Bank of Japan) wieder lauter. Doch angesichts höherer Importpreise und schwächelnder Exporte will man mit einer Änderung der jahrzehntelangen Notenbankpolitik nicht noch mehr Unruhe ins System bringen. Man hofft, dass der Konsumwille in den USA stark genug bleibt, um die japanische Wirtschaft durch diese Zeit zu tragen. Eine zusätzliche Belastung stellt Nordkorea dar, das auf die trilateralen Gespräche (Japan-Südkorea-USA) mit ballistischen Raketentests und besonders aggressiver Rhetorik reagiert hat.

Europa

GB bleibt das Sorgenkind. Die Londoner Börse hat das besonders belastet: Diese ist, gemessen am Gesamtumsatz, nun nur noch Platz 2 der europäischen Börsen. Frankreich führt jetzt das Börsenvolumen an. Eine entspannende Nachricht kam noch am Freitag mit durchwegs positiven Daten aus GB: Die Einzelhandelsumsätze stiegen zuletzt wieder unerwartet stark an und das Verbrauchervertrauen sollte sich im November etwas erholen. Bis dahin bleibt es jedoch auf historischem Tiefststand.

In ihrer Rede am Freitag hat EZB-Chefin Lagarde die Kosten für die Überabhängigkeit von einem einzelnen Lieferanten hervorgehoben. Damit bezieht sie sich hinsichtlich Energie und Technologie explizit nicht nur auf Russland, sondern auch auf China. Einen Tag zuvor wurde mit „Iris²“ der rasche Aufbau eines europäischen Satellitennetzes für sicheres Internet und Telefonie von der Europäischen Kommission beschlossen. Langfristiges Ziel ist strategische Autonomie.

Was die neue Woche bringt

Die kommende Woche steht im Spannungsfeld zwischen den Wirtschaftserwartungen der Verbraucher und der Industrie bzw. dem Handel. Sichtbar gemacht wird das mit den am Mittwoch und Donnerstag veröffentlichten Daten zum Verbrauchervertrauen (es wird spürbar besser als neutral erwartet), zum Einkaufsmanagerindex (jetzt nur noch neutral) sowie dem Geschäftsklimaindex (misst die Geschäftsbedingungen).

Zum Wochenausklang folgen die Inflationsdaten für Japan und die Prognosen für das aktuelle Wirtschaftswachstum in Deutschland. Diese Prognosen sind besonders wichtig, denn sie wirken sich direkt auf die Währung aus: Ein hoher Wert ist ein Stärkesignal und hebt den EUR gegenüber dem USD an. Das wäre gar nicht schlecht: Denn Öl und Gas werden in USD gehandelt.

Quelle Grafiken: Eurostat

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